Donnerstag, 13. Dezember 2012

Schildkröte - ganz nah

Mittwoch 12. Dezember: Es ist Abend und schon dunkel. Wir haben uns gegen 18:30 Uhr im Mon Repos Turtle Rookery Center (Kurz: Mon Repos – am Strand auf Höhe Bundaberg) mit vielen anderen Gästen eingefunden. Gegen 19 Uhr werden wir in 4 Gruppen eingeteilt. Wir sind in Gruppe 2 – das sollte sich später noch als Vorteil erweisen.

In den 60er Jahren stellte man fest, dass der hiesige Strand eine Besonderheit aufweist. Ab November kommen jedes Jahr hier Schildkröten-Weibchen, um ihre Eier abzulegen. Die Regierung von Queensland hat hier eine Forschungsstation zur Erhaltung der Schildkröten eingerichtet. Im australischen Sommer bietet das Zentrum nächtlich Führungen an. Es ist nicht zugesichert, ob man an diesem Abend auch eine Schildkröte sieht.

Im Center informieren wir uns über die Arbeiten rund um den Schutz der Schildkröten. Ja – sie sind schützenswert. Wir lernen viel über Schildkröten: Das Geschlecht bestimmt sich an der Temperatur des Sandes, in dem die Eier liegen. Die kleinen Schildkröten schlüpfen nach genau 8 Wochen und machen sind dann direkt auf dem Weg zum Meer. Nur eine Schildkröte von 1000 erlebt das Erwachsenen-Alter. Aber das soll reichen. Es ist hochinteressant.

Gruppe 1 wird schon früh aufgerufen. Es so organisiert, dass Ranger den Strand ablaufen. Kommt die erste Schildkröte, so geht Gruppe 1 zur Beobachtung heraus. Der gesamte Ablauf draußen am Strand ist stark reglementiert. Man hat wirklich das Gefühl, die Ranger wissen genau, was machbar ist und was nicht. Es geht darum, dass die Schildkröten nicht gestört werden. Die weiteren Gruppen müssen warten, bis eine weitere Schildkröte kommt. Und es kann passieren, dass keine kommt.
 
Nach einem ausführlichen Video wird Gruppe 2 gegen 20:45 Uhr aufgerufen. Wir sind ganz aufgeregt. Der Ranger führt uns über einen dunklen Steg an Strand. Licht ist nicht erlaubt. Ein starker Wind weht uns am Strand um die Ohren. Wir ziehen uns die Regenjacken an, denn es beginnt zu regnen. Mit langer Hose müssen wir durch das Wasser. Wir nähern uns einem kleinen Licht.

Ja – da ist eine Schildkröte. Ein Ranger hatte eine kleine Lampe hinter der Schildkröte platziert. Wir müssen uns im Halbkreis zwischen zwei Rangern ganz eng aufstellen. Kinder nach vorn. Wir stehen oder knien hinter der Schildkröte. Mit ihren Hinterfüßen gräbt sie abwechselnd Sand aus einem Loch. Ganz langsam, ganz gemächlich. Mit jeder „Schaufel“ kommt Sand nach oben. Wir erfahren, dass Schildkröten an Land nichts hören können (sehr wohl aber unter Wasser). Wir dürfen nur nicht vor sie treten. Wenn sie uns sieht, stören wir sie. Es dauert etwa 10-15 min und das Loch ist fertig. Die Schildkröte legt nun beide Hinterbeine außen auf den Strand und kurze Zeit später kommen die ersten Eier. Sie sind etwas größer als Tischtennisbälle und haben keine Kalkschale. Wir durften sie begutachten. Sie waren weich, aber doch wiederum von einer festen Konsistenz und die Schale konnte man etwas eindrücken. Die ersten Eier fallen immerhin 30-40 cm tief und würden sonst kaputt gehen. Während die Schildkröte ihre 132 Eier legt, dürfen wir uns im Kreis um die Schildkröte herum aufstellen. Jetzt ist die Schildkröte wie im Trance und nimmt uns nicht wahr. Jetzt dürfen auch Fotos gemacht werden. Das dauerte ca. 20-30 min. Wir beobachten von der Seite und vorn die Schildkröte – man spürt, wie sie sich anstrengt. Immer wieder den Kopf heben und senken, der Blick auf unendlich. Was für ein besonderes Erlebnis.

Die Schildkröte schaufelte dann die Eier zu. Der Ranger markierte diese Stelle, während die Schildkröte einige wenige Meter weiter ein Loch buddelt.. Dieses soll die „Jäger“ der Eier (Dingo's, Wilde Hunde,..) auf die falsche Fährte bringen. … was für eine Taktik.

Die Schildkröte bewegt sich Richtung Strand. Sie macht immer wieder Pausen, denn sie ist völlig erschöpft. Man möchte ihr am liebsten helfen, … aber wir müssen uns hinter ihr aufhalten und müssen ihr einen weiten Korridor Richtung Strand lassen. Es wäre auch schwierig zu helfen, denn ihr Panzer ist 1m lang, der Kopf so groß wie ein Handball und sie wiegt geschätzte 120 kg. Da müssten einige Männer zupacken. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache hier! Das Wasser ist flach und die Schildkröte schleppt sich Schritt für Schritt ins Wasser. „Unsere Schildkröte“ ist zurück in ihrem Element.

Während die Schildkröte ihre Eier legte, hat der Ranger festgestellt, dass diese Schildkröte noch nicht registriert ist. Da Schildkröten zu dem Strand zur Eiablage zurück kommen, wo sie geboren sind, muss diese Schildkröte das erste Mal Eier legen und ist somit zwischen 30-40 Jahre alt. So lange dauert es nämlich, bis sie Geschlechtsreif sind zum ersten Mal wieder zu ihrer Geburtsstätte zurückkehren.

Zum Schutz der Eier werden diese nun umgebettet. Hier dürfen wir helfen. Ein Ranger holt die Eier aus dem Nest, wir bringen sie zum anderen Ranger, der die Eier ablegt. Die Stelle wird „zugeschaufelt“ und ihre Platzierung genau vermessen. Gegen 23:00 Uhr verlassen wir den Strand. Im Center warten die Gruppen 3 und 4 auf Schildkröten...

Es war ein ganz außergewöhnlicher Abend. Wer die Chance hat, dies sehen zu können, sollte sich das nicht entgehen lassen. Und wir sollten sorgsam mit unserer Natur und den Meeren umgehen! Zum Schutz der Schildkröten … und allen anderen Tieren und Pflanzen in unseren Weltmeeren!

Am kommenden Morgen unterhalte ich mich auf dem Campingplatz mit einem holländischen Paar. Die waren im Gruppe 3 und kamen nach 23 Uhr raus an den Strand. Sie sahen auch noch eine Schildkröte und habe alles genauso wie wir erlebt. Wenn man hierher kommt, muss man Geduld und ggf. sogar Zeit für eine Nacht mitbringen!
 

Die Anreise nach Bundaberg war lang
 
Um diesen Abend erleben zu dürfen, fahren wir tagsüber ca. 370 km von Rockhampton (Yeppon Beach) nach Bundaberg. Wir veranschlagen 5-6h Fahrt (mit Pausen). Es werden 8h. Südlich von Rockhampton ist auf dem Bruce Highway eine Baustelle nach der anderen. Da der Highway mit einer deutschen Autobahn nicht vergleichbar ist, sondern eher eine einspurigen Bundesstraße gleicht, sind immer wieder Stopps und Geschwindigkeitsbegrenzungen vorgesehen. Und an den Baustellen sind keine Ampeln, sondern Menschen mit Schildern (STOPP / SLOW).

Martina fährt auch und braucht für 60km ca. 1,5h. Dabei hätte sie dann fast noch einen Unfall gemacht, als sie an einer der vielen Überholstellen von Roadtrain's (große LKW's mit bis zu 4 Anhängern) überholt und an der Zusammenführungsstelle auf eine Fahrspur harsch abgedrängt wird. Da kennen diese Fahrer kein Pardon – man muss echt aufpassen. In den 8 Stunden sind aber auch Pausen von ca. 1,5 h einrechnet. Trotzdem eine lange Fahrt...





Aber wir sind seit einigen Tagen Besitzer einer australischen CD von Slim Dusty. Und diese Musik unterhält uns während der Fahrt. Hier die Kostprobe eines typischen australischen (Volks-)Liedes:
 
http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=CwvazMc5EfE

Der Link funktioniert dank GEMA in Deutschland nicht. Sorry! Von Australien war alles in Ordnung.  :-)  Ein weiterer Vorschlag meinerseits von Australien aus macht keinen Sinn.

Der Song heißt "Waltzing Matilda" von Slim Dusty. Wer ihn hören möchte ... einfach unter youtube suchen. Der Dubliners Song mit gleichem Titel kommt der Slim Dusty-Version leider überhaupt nicht nahe.

@Jens: Danke für den Hinweis! 


4 Kommentare:

  1. Ach ja, roadwork - the Australian way of Arbeitsbeschaffung :)
    Hel, Jule

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  2. Das gibts in Kanada auch. es ist also der englisch-sprachige way of Arbeitsbeschaffung ;-)

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  3. Dank GEMA klappt das mit dem Video leider nicht. Du bekommst nur diese Nachricht:

    Leider ist dieses Video, das Musik von EMI beinhaltet, in Deutschland nicht verfügbar, da die GEMA die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt hat.

    Dann muß ich mir mal "Walzing Matilda" von den Dubliners anhören. Das singen dann zwar Iren aber die Australier stammen ja auch teilweise von denen ab.

    Viel Spaß auf der Walz

    Jens

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    1. Hallo Jens,

      vielen Dank für den Hinweis. Da hat die GEMA zugeschlagen. Die Dubliners Version passt leider nicht (jedenfalls die, die ich mir angehört habe). Sorry. Einfach nochmal weiter suchen.

      Viele Grüße
      Frank

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