Montag 7.3.2016: Martina ist mittlerweile doch sehr angeschlagen. Sie hustet die ganze Nacht und kann somit nur wenig schlafen. Ich werde dabei auch in Mitleidenschaft gezogen, sodass wir in der Nacht den Wecker für 6:40 Uhr wieder ausmachen. Gegen 7:00 Uhr sind wir müde, stehen aber doch auf. Frühstück, zusammenpacken und gegen 8:00 Uhr los fahren. Der Vivonne Campsite mit seinen Buschtoiletten hält uns auch nicht wirklich, wir fühlen uns nicht wohl. Kurz vor 9:00 Uhr sind war am Visitor Center der Seal Bay - hier wollen wir eine Guided Tour bis an den Strand zu den (nun australischen) Seelöwen unternehmen.
Wir zahlen 33 AU$ p.P. und erhalten für 45 min eine "Privatführung". Wir sind die ersten und einzigen Gäste am heutigen Morgen. Da zeigt es sich mal wieder, dass es gut ist, früh da zu sein. Bei der nächsten Führung sind es ca. 15-20 Personen. Eine Privatführung ist dann doch was Besonderes. Und die Führung beginnt gleich interessant. Kurz hinter dem Eingang liegt eine Seelöwin mitten auf dem Weg.
Die jungen Rangerin läßt uns einige Meter zurück und nähert sich mit vorsichtig und großem Respekt. Die Seelöwin geht etwas Richtung Meer - aber nicht ausreichend für uns. Wir probieren gemeinsam vorbeizugehen - das läßt die Seelöwin aber nicht zu. Bald finden wir einen Weg ausserhalb der befestigten Straße und können Richtung Strand gehen. Diese kurze Begegnung zeigte uns, dass diese Tiere hier zu Hause sind, man ihnen mit genügendem Abstand begegnen muss, will man nicht Probleme bekommen.
An diesem Strandabschnitt leben ca. 1000 Seelöwen. Davon sind nicht immer alle da, denn sie gehen für ca. 3 Tage ins Meer, um u.a. auf dem Meeresgrund andere Fische zu fressen. Dabei fressen sie bis einem Drittel ihres eigenen Körpergewichtes. Die nächsten drei Tage sind sie dann hier am Strand und erholen sich, denn die Zeit im Meer ist sehr anstrengend. Die jungen Seelöwen müssen solange auf ihre Mutter warten, bis sie wieder zurück sind. Am gegenseitig Geruch an der Nase erkennen sie sich wieder. Zwillingsgeburten gibt es nicht - die Mutter kann keine zwei Seelöwen-Kinder ernähren / säugen lassen. "Patenschaften" anderer Mütter gibt es auch nicht, eine Seelöwenmutter läßt nur ihr eigenes Kind trinken. Die Seelöwinnen sind alle 18 Monate schwanger und ziehen ein Junges groß, um dann wieder schwanger zu werden. Wir haben kleine "Seelöwen-Kinder" gesehen, die herzzerreißend nach ihrer Mutter geschriehen haben und andauernd zwischen den Seelöwen-Weibchen rumgesucht haben. Die haben uns dann schon richtig leid getan.
Die Seelöwenbullen sind sehr viel größer als die Weibchen und können bis
zu 350 kg schwer werden. In der Brunftzeit ist mit ihnen nicht zu
spaßen. Sie sind aggressiv, verteidigen ihr Territorium und greifen
andere Seelöenbullen an. Ältere Bullen kann man sehr gut an ihrer immer
blonder werdenden "Mähne" auf dem Kopf erkennen. Daher haben sie auch
ihren Beinamen "Löwe". Seelöwen werden zwischen 15-20 Jahre alt.
Die
Bullen bleiben vor der Brunftzeit bis zu 5 Tagen draussen im Meer und
fressen sich eine dicke Fettschicht an, von der sie dann während der
Brunftzeit zehren, da sie bis zu 4 Wochen am Strand bleiben, Rudel
bilden, Junge zeugen und Territorium (Harem) schützen oder ausbauen.
Im
Gegensatz zu den neuseeländischen Seelöwen suchen diese Seelöwen hier
die Nähe zu den anderen Tieren und liegen gern in Gruppen zusammen. Wenn
es im Winter kälter wird, ziehen sie sich in die von Büschen
bewachsenen Dünen zurück und kuscheln sich im Getrüpp zusammen, um sich
gegenseitig zu wärmen. Hierfür nehmen die Seelöwen auch weitere Wege in
Kauf.
Das Wetter ist heute bedeckt und es fängt später während der Führung sogar etwas zu regnen an. Eigentlich sollten wir deswegen traurig sein. Nein, sind wir nicht. Denn die Rangerin erklärt uns, dass bei warmem Wetter die Seelöwen nur rumliegen und dösen. Bei der heutigen Witterung sind die Seelöwen aktiver und wir bekommen auch was geboten. Also hat das schlechte Wetter auch mal was Gutes! :-)
Von den australischen Seelöwen gibt es nur noch 12-14.000. Sie wurden früher wegen ihres Felles gejagt und stark dezimiert. Die Seal Bay ist eine der Orte, wo sie geschützt sind. Leider ist der Mensch auch heute noch an der weiteren Dezimierung Schuld. Während die Seelöwen am Meeresgrund auf Jagd sind, geraten sie in die Fischernetz oder hängen in Seilen fest und werden von diesen stranguliert. Der Meeresverschmutzung in Form von Plastikmüll u.ä. ist auch mit verantwortlich.
Im Unterschied zu den neuseeländischen Seelöwen, die gern auf Felsen liegen, nutzen die australischen Seelöwen gern den Strand.
Während einer Kaffeepause überlegen wir, wie der restliche Tag aussehen soll und entscheiden uns, zum Western KI Campsite der vorletzten Nacht (Nähe NP) zurückzukehren. Dort hat es uns gut gefallen. Martina kann dösen, schlafen und relaxen, sie braucht eine Pause. Wir lassen uns so treiben. Auf dem Weg dorthin fängt es richtig an zu regnen. Es sind ca. 60 km und die Fahrt dauert dann schon eine Stunde. Vor Ort angekommen, hat es aufgehört. Wir können den gleichen Stellplatz wieder erhalten - wir sind ja Gewohnheitstiere. :-)
Später drehen wir noch gemütliche Runden über den Platz. Wir lauschen Stimmen der Vögel und beobachten Wallabys und Koalas. Als es fast dunkel ist und ich noch draussen sitze und lese, düsen einige Wallabys um mich herum.
Zum Abendessen gibt es Reis mit Mais, angereichert um kleine Schinkenscheiben. Dazu reichen wir Cocktailwürstchen und Gurke sowie einen guten Rotwein. Eigentlich nennt man das Reste-Essen - wir müssen unsere Bestände leer machen. :-)
Im Dunkeln gehe ich später nochmals zu einer großen Wiese und beleuchte diese mit meiner Stirnlampe (so weit möglich). Allein in meinem kleinen Umfeld entdecke ich 11-12 grasende Wallabys und schätze, dass die große Wiese voll ist. Da braucht man sich tagsüber nicht zu wundern, wo der ganze Kangaroo/Wallaby-Poo herkommt. :-)